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KAYAKOY

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Kayaköy  Hüseyin KÖKTÜRK Archaeologist

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Auf der südlich von Fethiye verlaufenden Bergstrasse erreicht man nach etwa 8 Kilometern Kayaköy. Als Alternative kann man auch auf der breiteren Asphaltstraße von Fethiye nach Ölüdeniz an der Kreuzung in Hisarönü den Weg westwärts nach Kayaköy nehmen. Dieses kleine Tal, von den Ortsansässigen "Kaya Cukuru" (auf deutsch etwa: "Talkessel Kaya") genannt, umgeben von etlichen Anhöhen, wird durch diese beiden Zugänge erreicht, auf seiner Nordseite durch den ersten und auf der Ostseite durch den letzteren. Aus Richtung Hisarönü kommend wird der Besucher mit dem Blick auf die verlassenen und verfallenen Häuser, die seit dem Bevölkerungsaustausch leerstehen, empfangen. Die Zufahrt vom Norden bietet dem Besucher einen großartigen Panoramablick auf Kayaköy und ostwärts auch auf den Babadag. Unsere Empfehlung, die sicher zu einer größeren Zufriedenheit beitragen würde, wäre: Auf welchem dieser beiden Wege man auch immer nach Kayaköy kommt, sollte man bei der Rückkehr den anderen nehmen, um  einen umfangreichen Eindruck und nachhaltige Impressionen über  Ort und  Landschaft zu erhalten.  Dabei werden dem aufmerksamen Besucher entlang dieser Reiseroute  die Reste der alten, historischen Wege und Pfade nicht entgehen.

 

Der Geograph und Schriftsteller der Antike, Strabon, berichtet nach einer Beschreibung der Stadt Thelmessos und ihres Hafens in der Region Lykien weiter: "...man erreicht dann einen schwer zu ersteigenden, steilen Berg. Auf diesem Wege kommt man nach Karmylessos, das in einem engen und tiefen Flußbett gebaut ist..." Mit seinem Bericht legt er also Zeugnis von einer antiken Stadt Karmylessos in der Nähe von Thelmessos ab.            

 Aufgrund mancher nur an der Erdoberfläche durchgeführten archeologischen Untersuchungen und auf einigen Hinweisschildern wird der Standort der antiken Stadt Karmylessos im heutigen Kayaköy lokalisiert. Wenn auch in und um Kayaköy Reste aus der Antike zu finden sind, so sind diese jedoch weit entfernt davon, einen sicheren Beleg für die Existenz einer umfassenden antiken Stadt zu sein.

 

Bei der nördlichen Zufahrt in den Talkessel Kaya können drei Sarkophage aus dem 4.Jh. n.Chr. sowie Felsengräber in gleicher Anzahl mit lykischen Grabinschriften als ältestes und umfangreichstes Zeugnis aus dem antiken Zeitalter beobachtet werden. Ein weiteres, lokales Bauwerk aus derselben Zeit, ein in den Felsen gehauenes Grab, befindet sicht nördlich von Kizlar Okulu (auf Deutsch: "Mädchenschule")  in Kayaköy.

 

Fellows, der die Region im 19 Jh. besuchte, lokalisiert Karmylessos auf der Gemiler-Insel

südlich von Kayaköy. Die Feststellungen Fellows und die Standorte der oben genannten Reste

fügen sich jedoch kaum in das von Strabon skizzierte Bild der Stadt Karmylessos.

Interessierte Besucher mit ausreichend Zeit und  in Begleitung eines örtlichen Führers können außerdem südlich vom Stadtteil Belen auf dem Asarcik-Hügel eine kleine, unter den Fassadenresten aus der späten Periode eine versteckte Burgruine aus  hellenistischer Zeit finden,  sowie auf den Berghängen südlich von der Turunc-Quelle weitere Siedlungsreste besichtigen, deren Ursprünge von der klassischen Periode bis in das byzantinische Zeitalter hineinreichen.

Kayaköy verdankt seine heutige Popularität aber nicht so sehr den Resten aus der Antike als  vielmehr der im Zuge des Bevölkerungsaustauschs nach dem türkischen Befreiungskrieg verlassenen griechischen Stadt. Im Talkessel Kaya lebten Griechen und Türken Jahrhunderte lang zusammen. Die Türken, die hauptsächlich von Landwirtschaft und Viehzucht  lebten, wohnten in den Häusern, die im Tal gebaut wurden. Die Griechen hingegen, denen überwie-gend Handel und Handwerk als Haupterwerbsquellen dienten, bewohnten die Häuser an den Hängen. Die Griechen gaben dem Ort den Namen Levissi, die Turkmenen, welche vermutlich auf die Dynastie Kayi  der Stammesgruppe Oghuz zurückzuführen sind , nannten den Ort  Kaya.  Bis zum Bevölkerungsaustausch wurden im Ort beide Namen benutzt.

 

Wenn auch Levissi wegen der Endung im Wortlaut philologisch den Anschein einer relativ alten historischen Siedlung vermittelt, wird der Name zum ersten Male in den Reisenotizen des italienischen Reisenden Sanuda (im 14 Jh.) erwähnt. Die Gesamtplanung der Siedlung und das verwendete Baumaterial helfen uns bei der Rückdatierung leider nicht viel. Die bei manchen Bauten verwendeten Steinblöcke und übernommenen Bauelemente lassen jedoch erahnen, daß hier eine im Laufe der Zeit umstruktruierte Siedlung mit über-wiegend Wohn-häusern und religiösen Stätten aus der frühen Zeit der byzantinischen Epoche vorliegt. Bei seinem Besuch im Jahre 1838 notiert Fellows über die Stadt Levissi folgende Gedanken: "...die herrschende Lage der Siedlung und einige kleinere Gräber lassen die Ver-mutung  zu,  die ursprüngliche kleine Siedlung könnte vielleicht an der Stelle der Kissidae gegründet worden sein..."

    

Die arabischen Vorstöße in den 7. und 8. Jahrhunderten  n. Chr. hatten tiefe Auswirkungen auf die Küstensiedlungen. Infolgedessen flüchteten die auf den Inseln und an der Küste angesiedelten Gemeinden ins Landesinnere . Es ist wahrscheinlich, daß dabei auch die Bevölkerung der Gemiler-Insel unter dem Druck der arabischen Raubzüge nach Levissi flüchtete und sich dort niederließ. Später, nachdem Byzanz sich in den 10. und 11. Jahr-hunderten in der Region wieder erholt hatte, wurden auf der Gemiler-Insel erneut Bauwerke errichtet; die ursprüngliche Siedlung konnte jedoch in seiner alten Pracht niemals wieder-hergestellt werden.  Diese Neusiedler -so die Vermutung- stammten aus Levissi.

Die japanischen Archeologen, die seit den letzten Jahren in dieser Gegend Untersuchungen an der Erdoberfläche durchführten, konnten identische Anwendungen an manchen Kapellen in Levissi und an den Kapellresten im Anbau der Ostseite der Kirche auf dem Gipfel der Gemiler-Insel (St.Nicholaus Insel) feststellen und diese auf das 12. und 13. Jahrhundert n.Chr. zurückdatieren.

 

Der auffälligste Weg in Levissi beginnt an der Unteren Kirche und steigt  -ohne zwischen die Häuser zu geraten-  mit  Kurven, die der Geländeformation angepaßt sind, nach oben. Er führt über den Bergkamm - und wenn er auch nicht genau verfolgt werden kann- zur Soguksu- Bucht hinunter, von der aus die Verbindung zur Gemiler-Insel gewährleistet war. Die ähnlichen Bauwerke in den beiden Siedlungen und der Verbindungsweg zwischen ihnen legen den Schluß nahe, daß es in der späten byzantinischen Zeit zwischen den Siedlungen auf der Gemiler- Insel  und in Levissi eine organische Verbindung gegeben haben muß.

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