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| Kayaköy | |||||||||||||||||
Die Bilderwand im Hauptraum ist ein relativ gut erhaltenes originelles Werk aus der Zeit der Levissi-Siedlung. Der während der Nutzung als Moschee durchgeführte Chlorkalk-Anstrich auf den Fresken hat diese weitgehend geschützt. Einige Bauelemenete und Fresktafeln an der Bilderwand fielen jedoch in naher Vergangenheit der Besitzgier zum Opfer und wurden gestohlen. Einer dieser Tafeln wurde aber in einer privaten Kunstsammlung wieder entdeckt und zurückgeführt. Die Heiligendarstellungen und Farben auf dieser Tafel waren jedoch völlig zerkratzt. Aus diesem Grunde ist das Bauwerk leider zum Schutz von allen Seiten mit unschönen Eisengitter zugesperrt. Die Bilderwand (Ikonastasis) trennt den Altarraum (Apsis) vom Gemeindesaal. Auf der zum größten Teil mit Marmortafeln bedeckten Bilderwand, steht Symmetrie im Vordergrund. Über dem Eingang in der Mitte sind zwei gegenüberstehende farbige Engelsfiguren ausgeführt. In einem Kranz in Form eines Pferdehufes im ersten Fries über dem Eingang in der Mitte befin-det sich ein Jesus-Porträt, während auf beiden Seiten in medaillonsförmigen Kränzen jeweils 12 Heilige dargestellt sind. In dem Fries darüber befinden sich in viereckigen, mit Miniatur-säulchen voneinander getrennten Tafeln 13 Ikonen, in denen im orthodoxen Stil verschiedene Themen dargestellt sind. Bei diesen Ikonen sind als Themen unter anderem; Geburt, Einzug in Jerusalem, Himmelfahrt, Verkündigung und Letztes Abendmahl ausgeführt. In zwei Friesen über den Ikonen sind florale Motive als Ornamente zu beobachten. An der Bilder-wand im Innenraum sind dunkelgelb und blau die herrschenden Farben. Die Binnenvorhalle und der innere Bereich der Kirche werden von einem kreuzförmigen Gewölbe zugedeckt. Die Rundkuppel über dem mittleren Schnittpunkt des Kreuzgewölbes im Hauptraum wird von Halbsäulen mit unterstützenden Seitenwänden getragen. Neben den Kirchen bilden auch die beiden Schulgebäude eine weitere Gruppe von gemein-schaftlich genutzten Bauwerken in der Siedlung. In Levissi besuchten Mädchen und Knaben getrennte Schulen. Die Mädchenschule ist oberhalb des Turabi-Brunnens auf einer Anhöhe gebaut. Die Knabenschule befindet sich auf dem Gipfel des Hügels nordwestlich von der Oberen Kirche. Laut Gründungsinschrift der Mädchenschule, die gegenwärtig im Museum von Fethiye besichtigt werden kann, wurde sie von den Gebrüdern Lövisidi gebaut. In den Schulen wurde lediglich Grundschulunterricht in griechischer Sprache erteilt. Die Schüler wurden nach Abschluß zum höheren Studium nach Rhodos, Athen und Istanbul geschickt. Das Brauchwasser wurde in Levissi durch Regenwasser, welches von den Dächern in die Zisternen geleitet wurde, gewonnen. Das Trinkwasser lieferten die Brunnen unterhalb der Mädchenschule im Ortseingang von Richtung Hisarönü. Der Turabi-Brunnen wurde zu seinen zwei Straßenseiten mit einem Säulengang versehen. An diesem Brunnen zeigt eine eine Inschrift das Baujahr 1919 an. Eine weitere definierbare Baugruppe in Levissi bilden die Windmühlen. Die Windmühle auf dem Südhang der Stadt in ca. 100 m. Entfernung zur Westkapelle ist den vom Meer kommenden Winden offen ausgesetzt.. Die andere Windmühle befindet sich im Südwesten des Talkessels Kaya auf dem Gipfel des Hügels Degirmentepe. Von diesen zweistöckigen Windmühlen mit kreisförmigen Grundrissen konnten bis heute lediglich die Grundmauern überdauern. Das leere Gelände nördlich der Oberen Kirche und dessen Umgebung waren der Handelsbezirk der Stadt. Wenn auch die Baureste heute nicht eindeutig identifiziert werden können, ist bekannt, daß es in diesem Bereich früher verschiedene Geschäfte und Ladenlokale, wie z.B. Cafe, Metzgerei, Obstladen, Stoffladen etc. gegeben hat. Ein Teil der griechischen Bevölkerung, die im Zuge des Bevölkerungsaustauschs von Levissi und Fethiye nach Griechenland ausgewandert ist, wurde in Athen im Randbezirk Nea Makri angesiedelt. Sowohl die Griechen, die die Auswanderung miterlebten, als auch die in Kaya Köyü gebliebenen Türken, gaben Auskunft über das damalige Alltagsleben in Levissi. Diese Berichte wurden bereits zum Teil von der Architektenkammer Istanbul publiziert. Nach diesen Berichten verließen die Griechen im Jahre 1923 die Stadt Levissi und fuhren in Gruppen mit Schiffen aus dem Hafen von Fethiye nach Griechenland, nachdem die türkischen und griechischen Regierungen den Vertrag über den Bevölkerungsaustausch abgeschlossen hatten. Im Gegenzug wurden dann an deren Stelle aus West-Thrazien türkische Einwanderer in geringerer Zahl gebracht. Diesen jedoch gefielen die Bedingungen in Kayaköy nicht, sodaß sie ins anatolische Landesinnere weiterwanderten oder zu ihren Verwandten zogen. Die Griechen in Levissi bestritten ihren Lebensunterhalt mit Handel und Handwerken. Tischler, Kupferschmied, Verzinner, Eisenschmied und Handwerker aus anderen Bereichen gingen von Levissi aus saisonweise zum Arbeiten in andere türkische Dörfer. Die Frauen kümmerten sich hauptsächlich um den Haushalt und betätigten sich in ihrer Freizeit als Weberinnen. Für die Kinder war Grundschulbesuch Pflicht. Mädchen und Knaben besuchten getrennte Schulen und wurden in griechisch unterrichtet. Zwecks höheren Schul-besuchs mußten die Schüler nach Rhodos, Athen oder Istanbul gehen. Im Gegensatz zum Schulbesuch gingen Türken und Griechen aber in die dieselben Teestuben und Cafes und verbrachten ihre Zeit gemeinsam. Mischehen zwischen den beiden Volksgruppen fanden jedoch nicht statt.
Krieg, als Mutter alles Bösen, entzweite leider die beiden Volksgruppen, die im Talkessel von Kaya so friedlich zusammenlebten. Menschen, die durch den Krieg ihrer Stadt, ihres Heims, und ihrer Vergangenheit beraubt wurden, mußten viel Leid erfahren. Dasselbe gilt natürlich auch für diejenigen, die auf dieselbe Art und Weise an ihrer Stelle neu angesiedelt wurden. Über Kayaköy wurden bis heute viele Schriften publiziert, Symposien, Foren, Konferenzen und Versammlungen durchgeführt. Durch sinnvolle und notwendige Initiativen wurde Kayaköy zu einem türkisch-griechischen Freundschaftsort erklärt. In der Welt von heute ist dieser Schritt auch mehr als angebracht. Nun ist es an der Zeit, diese Freundschaft weiterzu-entwickeln. Dabei könnten als erstes Maßnahmen zur Pflege und zum Schutz der verlassenen Gebäude in Levissi eingeleitet werden, um dieses Kulturerbe zu erhalten und in Zukunft zu bewahren. |
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