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GEMILER INSEL (AYA NIKOLA)- Hüseyin KÖKTÜRK Archaeologist |
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Das Mittelmeer umarmt das Festland wohl nirgends so schwung- und liebevoll wie hier. Das Festland seinerseits erstreckt sich weit ins Mittelmeer hinein, als ob es sich in ihm erfrischen wollte. Dieser ewigen Harmonie gegenüber blieb auch der Mensch nicht ungerührt und krönte die Gemiler-Insel, übrigens auch ein perfekter Hafen, mit schmuckvollen Bauwerken und Kirchen.
Auf der
Gemiler-Insel liegen eine Vielzahl der Ruinen unter Wasser. Die Insel
liegt im östlichen Teil der Fethiye-Bucht und im Hinterland von
Ölüdeniz. In den Seekarten des Mittelalte Nachdem das Christentum die offizielle Religion des byzantinischen Reichs wurde, kam es zu einem regelrechten Boom von Pilgerfahrten von Europa und Istanbul zu den heiligen Stätten in Palästina. Im Mittelalter, wo Landreisen gefährlich und beschwerlich waren, wurden Seefahrten immer bevorzugt. Diese lang andauernden Seefahrten ließen dort wo sichere Häfen waren, Raststätten entstehen mit Kirchen für die Pilger. Auch die Gemiler-Insel entwickelte sich zu solch einer Raststätte für Pilgerreisende. Die Form der Insel in ihrer Ost-West-Ausrichtung erinnert an einen Dinosaurier, der seinen Kopf auf die Beine gelegt hat. Die Ausmaße der Insel betragen 1000 x 400 m. Die steile Südseite der Insel stellt eine natürliche Festung dar. Hingegen erstreckt sich der nördliche Kamm mit einer angenehmen Neigung zum Meer. Am nördlichen Kamm befinden sich in der Ost-West-Ausrichtung Reste von Festungsmauern, welche die Insel umranden. Ein Großteil der Anlegeplätze, Landungsbrücken, Speicher und Lagerstätten sank durch die vielen Erdbeben und liegt heute unter dem Meeresspiegel. Auf der Insel befinden sich verschiedene Reste einer mittelalterlichen Stadt. Vier große Kirchen und ein Galeriegang, der die Gipfel-Kirche, die St.Nicholaus Kirche mit der Ostkirche verbindet, sind die herausragenden Ruinen. Neben den Wohnsiedlungen bilden die Grabdenkmäler, Zisternen und Vorratsspeicher definierbare Baugruppen. Die Bauten werden größtenteils auf die Zeit 5. - 6. Jh. n. Chr. zurückdatiert. Die Westkirche liegt unmittelbar auf der Südseite der Wärterhütte. Bis auf die Fundamente des Altar- und Weihbereichs ist sie vom Meer restlos verschlungen. Die zweite Kirche ist an dem Pfad, der auf der Westseite zum Gipfel führt, am Hang gebaut. Ihr auf der Ostseite liegender Altarraum mit der Halbkuppel darüber sind heute noch zu sehen. Die Kirche, die sich auf der Ostseite der Insel befindet, ist vollständig zerstört. An ihren Ruinen kann man jedoch die Form ihres Grundrisses erkennen. Ihre Zisterne auf der Westseite mit dem Mosaikboden zeugt von einer sorgfältigen Bauausführung. Jenseits der Ostkirche liegt ein weites Friedhofsgelände (Nekropole) mit seinen Grabmälern. Die Gipfelkirche, St. Nicholaus Kirche, ist mit ihrer sorgfältigen und liebevollen Bauausführung das herausragendste Bauwerk der Insel. Die Binnenvorhalle (Narthex) und ein Teil des Hauptraums sind aus dem Felsen gehauen. In der Binnenvorhalle befindet sich unter dem Boden eine Zisterne. Der Innenraum ist in drei Bereiche aufgeteilt. Auf der östlichen Seite befindet sich halbkreisförmig mit einigen Stufen der Synthronon als Sitzbereich der Mönche. Die Sockel des davor befindlichen Templons und des Altars sowie ein Teil der Mosaikfläche am Boden sind bei Gemeinschaftausgrabungen des Fethiye Museums und der Japanischen Archeologengruppe zum Vorschein gebracht worden. Die ausgegrabene Mosaikfläche weist überwiegend geometrische Muster und mythologisch-religiöse Darstellungen auf. Hier heißt es in einer Inschrift, die als Mosaik ausgeführt ist, daß der Lohn für die Verlegung der Mosaiken von einem mazedonischen Juwelier bezahlt wurde. Ein Teil der Mosaiken sind zerstört, da der Ort nach Einsturz der Kirche als Friedhof genutzt wurde. Die St.Nicholaus Kirche (Gipfel-Kirche) erlaubt mit ihrem Grundriß, den umgebenden Fluren und Ein- und Ausgängen einer hohen Zahl von Besuchern eine freie Zirkulation. Der Säulengang, der die St.Nicholaus Kirche mit der Ostkirche verbindet, befindet sich an der Nord-Süd-Achse der Insel. Für die Benutzer war eine gute Luftzirkulation, wichtig insbe-sondere in den heißen Sommermonaten, und eine schöne Aussicht gewährleistet.
Ausgrabungen an der St. Nicholaus Kirche ergaben, daß das Bauwerk infolge eines Großbrands eingestürzt war. Da bei den Ausgrabungen außer ein paar Nägeln keine anderen Metallgegenstände gefunden wurden, geht man davon aus, daß vor dem Brand eine Ausplünderung stattfand. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde die Kirche im 7.Jh.n.Chr. bei den arabischen Raubzügen in Kleinasien zerstört, wonach sich die Inselbewohner ins Landesinnere zurückzogen. Nachdem das byzantinische Reich sich im 11.Jh.n.Chr. wieder erholt hatte, versuchte eine kleinere Gemeinde, den vergangenen Glanz der Insel wieder auf-erstehen zu lassen. Diese Bemühungen blieben jedoch vergeblich. Auf der südlich von der Gemiler-Insel gelegenen Karacaören-Insel und auf der westlich gelegenen Halbinsel Tuzla-Burnu befinden sich Bauruinen, die aus der gleichen Zeit wie die der Gemiler-Insel stammen. Als erkennbare Bauruinen treten auch hier Kirchen und Grabdenkmäler in den Vordergrund. Die Kirche, die auf dem Gipfel von der Karacören-Insel liegt, ist hier hervorzuheben. Bei den um die Kirche liegenden kleinen Bauten handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die Mönchs- und Heiligengräber. Manche Gräber weisen im Innenbereich Spuren von kirchlich- und zeitgenössischen Fresken und Ornamenten auf. Auf der Seitenfassade der aus Felsen gehauenen Eingangsstufen der Kirche befindet sich eine Inschrift. Hier wird der Heilige, dem die Kirche gewidmet ist, gewürdigt. Die historischen Überreste in diesem Hinterland sind konzentriert auf die Gemiler- und Karacaören-Insel sowie auf die Halbinsel Tuzla. In vielen Buchten in östlicher Richtung befinden sich Ruinen von Kirchen und Kapellen mit umliegenden kleineren Gebäuden. Diese Siedlungen aus byzantinischer Epoche dienten bei Seefahrten in der Antike als Raststätte. |
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